Mit dem Klimawandel steht Franken vor einem tiefgreifenden Wandel seiner Landschaften. Die Veränderungen haben dabei längst begonnen. Entscheidend wird sein, wie entschlossen Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft auf diese Veränderungen reagieren. Je früher Anpassung und Klimaschutz zusammen gedacht werden, desto größer ist die Chance, Natur, Landwirtschaft und Lebensqualität auch unter sich verändernden Bedingungen dauerhaft zu erhalten. Der Rückhalt von Wasser und dessen Verfügbarkeit und der Erhalt der Biodiversität sind dabei entscheidende Themen, die über Anpassungsfähigkeit und Zukunft der Region im Klimawandel entscheiden.
Der Klimawandel ist in Franken keine Zukunftsvision mehr, sondern hat längst begonnen. Steigende Temperaturen, längere Trockenphasen und eine veränderte Verteilung der Niederschläge verändern schon heute die Lebensbedingungen. Die Frage lautet nicht, ob sich die Landschaft wandeln wird, sondern wie tiefgreifend dieser Wandel ausfallen wird und ob es gelingt, dessen Folgen zu begrenzen.
Dabei führt der häufig verwendete Begriff der „Versteppung“ in die Irre. Er beschreibt weder eine Wüstenbildung noch das Verschwinden der Wälder. Gemeint ist die Entwicklung hin zu einer trockeneren Landschaft, in der Wasser zum begrenzenden Faktor für Natur und Landwirtschaft und letztendlich auch für den Menschen wird. Wälder bleiben erhalten, verändern jedoch ihre Struktur. Sie werden lichter und die Zusammensetzung der Arten, vom Baum, Strauch zum Kraut, verschiebt sich und trockenheitsangepasste Pflanzen gewinnen gegenüber feuchtigkeitsliebenden Arten an Bedeutung. Auch die Tierwelt wird sich diesem Wandel anpassen müssen.
Diese Entwicklung ist keine politische Bewertung, sondern die physikalische Folge des durch den Menschen verursachten Klimawandels. Vegetation und Tierwelt können sich den ständig wechselnden Bedingungen nicht entziehen. Sie reagieren auf Temperatur, Niederschlag und Bodenfeuchte. Ändern sich diese Faktoren dauerhaft oder äußern sich durch unvorhersehbares Verhalten, verändern sich zwangsläufig auch die Ökosysteme.
Die Geschwindigkeit des Wandels entscheidet
Klimaänderungen gehören zur Geschichte der Erde. Warm- und Kaltzeiten haben sich über Millionen von Jahren mehrfach abgewechselt. Frühere Erwärmungs- und Abkühlungsphasen vollzogen sich meist über mehrere tausend Jahre. Pflanzen- und Tierarten hatten ausreichend Zeit, ihre Lebensräume zu verlagern oder sich evolutionär anzupassen. Heute vollzieht sich jedoch ein vergleichbarer Temperaturanstieg innerhalb weniger Generationen. Was früher Jahrtausende dauerte, geschieht jetzt innerhalb eines Jahrhunderts.

Gerade diese Beschleunigung stellt Ökosysteme vor enorme Herausforderungen. Viele Arten können den Wandel nicht mehr nachvollziehen. Die Folge ist kein Ende des Lebens, wohl aber eine tiefgreifende Veränderung der biologischen Vielfalt. Arten verschwinden, andere breiten sich aus, Lebensgemeinschaften ordnen sich neu. Der Klimawandel ist deshalb weniger eine Folge einzelner Wetterextreme als vielmehr ein grundlegender Umbau der Lebensgrundlagen.
Die Klimazonen verschieben sich bereits
Die Verschiebung der Klimazonen ist heute messbar. Entscheidend ist dabei nicht nur die jährliche Niederschlagsmenge, sondern auch deren Verteilung. Längere Trockenphasen werden von kurzen Starkregen unterbrochen. Diese Niederschläge werden jedoch kaum mehr vollständig im Boden gespeichert, ein großer Teil fließt oberflächlich ab oder verdunstet sofort. Dadurch verändert sich der Wasserhaushalt nachhaltig. Böden trocknen schneller aus, Wälder geraten häufiger unter Trockenstress und landwirtschaftliche Kulturen benötigen zusätzliche Bewässerung -Grundwasserneubildung bleibt aus. Wasser entwickelt sich zum entscheidenden Standortfaktor.
Die Zukunft lässt sich nicht bis ins nächste Jahrhundert berechnen
Die Klimaforschung kann für die kommenden Jahrzehnte belastbare Aussagen treffen. Die Modelle zeigen für Franken übereinstimmend steigende Temperaturen, zunehmenden Trockenstress und veränderte Niederschlagsmuster. Je weiter die Berechnungen jedoch in die Zukunft reichen, desto größer werden die Unsicherheiten.
Der Grund liegt nicht in fehlendem Wissen, sondern im Charakter des Klimasystems selbst. Atmosphäre, Ozeane, Vegetation und Eisflächen beeinflussen sich gegenseitig in einem hochkomplexen Netzwerk von Rückkopplungen. Kleine Veränderungen können langfristig große Auswirkungen entfalten. Dadurch wächst die Unsicherheit regionaler Prognosen mit zunehmendem Zeithorizont erheblich.
Entwicklungen lassen sich bis zum Ende dieses Jahrhunderts zuverlässig beschreiben, aber nicht die Situation in hundert oder zweihundert Jahren. Die Temperaturen könnten nach der nächsten Jahrhundertwende weiter steigen, oder aber auch sinken. Die Richtung des Wandels in den kommenden 80 Jahren bleibt aber eindeutig erkennbar. Wie sich einzelne Regionen danach entwickeln, hängt von zahlreichen natürlichen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren ab.
Wasser wird zur Schlüsselressource Frankens
Für Franken dürfte Wasser zur entscheidenden Zukunftsfrage werden. Während die Wassermenge auf der Erde zwar konstant bleibt, ist entscheidend, wie viel nutzbares Süßwasser regional und zu welchem Zeitpunkt verfügbar ist. Genau hier zeichnet sich ein wachsendes Spannungsfeld ab. Der Bedarf steigt durch höhere Temperaturen und längere Trockenperioden, während die natürliche Verfügbarkeit vielerorts zurückgeht.
Damit entstehen Nutzungskonflikte zwischen Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Industrie und Naturschutz. Besonders betroffen sind Regionen mit intensivem Gemüsebau oder wasserbedürftigen Sonderkulturen. Dort entscheidet künftig nicht allein die Bodenqualität über den wirtschaftlichen Erfolg, sondern zunehmend auch der Zugang zu Wasser. Aus einer wissenschaftlichen Fragestellung wird damit eine gesellschaftliche und politische Entscheidung: Wer erhält Vorrang, wenn Wasser knapp wird?
Landwirtschaft und Forstwirtschaft stehen vor einem Strukturwandel
Mit den sich schnell verändernden klimatischen Bedingungen geraten auch die bisherigen Produktionssysteme vor allem in der Landwirtschaft unter Druck.
Großflächige Monokulturen reagieren empfindlich sowohl auf extreme Wetterereignisse als auch auf langfristige, aber dynamische Klimaänderungen. Die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe wird künftig stärker von Vielfalt als von Spezialisierung abhängen. Unterschiedliche Kulturen und Sorten verringern das Risiko vollständiger Ernteausfälle und erhöhen die Anpassungsfähigkeit an wechselnde Witterungsbedingungen.
Ähnliche Entwicklungen zeichnen sich im Wald ab. Reinbestände verlieren an Stabilität. Mischwälder mit unterschiedlichen Baumarten und Altersstrukturen können Trockenheit, Stürme oder Schädlingsbefall deutlich besser verkraften. Vielfalt wird damit nicht nur zu einem ökologischen Wert, sondern zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit.
Klimaschutz und Anpassung gehören untrennbar zusammen
Selbst ein konsequenter Klimaschutz kann einen Teil der bereits ausgelösten Veränderungen nicht mehr verhindern. Deshalb müssen zwei Strategien gleichzeitig verfolgt werden.
Zum einen gilt es, den Ausstoß von Treibhausgasen so weit wie möglich zu reduzieren. Der schrittweise Ersatz fossiler Energieträger und der Umbau der Energieversorgung bleiben die Voraussetzung dafür, den weiteren Temperaturanstieg zu begrenzen.
Zum anderen muss sich die Gesellschaft auf die unvermeidbaren Folgen einstellen. Städte benötigen mehr Grünflächen und Wasserrückhalt. Gemeinden müssen Flächen entsiegeln und natürliche Wasserspeicher erhalten. Landwirtschaft und Forstwirtschaft brauchen robustere Produktionssysteme. Gleichzeitig gewinnen Moore, Wälder und andere naturnahe Ökosysteme als Kohlenstoff- und Wasserspeicher weiter an Bedeutung.
Der Wandel beginnt vor der eigenen Haustür
Die Anpassung an den Klimawandel ist zwar in erster Linie Aufgabe für Politik Wirtschaft und Wissenschaft. Jedoch können in unserem unmittelbaren Lebensumfeld einzelne Maßnahmen entscheidend beitragen.
Jede entsiegelte Fläche verbessert den Wasserrückhalt. Jeder erhaltene Baum reduziert Hitzebelastungen. Jede naturnahe Grünfläche stärkt die biologische Vielfalt. Kommunen verfügen bereits heute über Instrumente, um Biodiversität, Wasserhaushalt und Klimaanpassung miteinander zu verbinden. Ebenso wichtig ist das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Initiativen, denn viele Maßnahmen entfalten ihre Wirkung erst dann, wenn sie gemeinsam umgesetzt werden.
zum Autor
Der Autor Johannes Luers ist promovierter und habilitierter Geowissenschaftler mir Lehr- und Forschungsschwerpunkten in Geoökologie und Klimatologie an der Universität Bayreuth. Seit 2021 ist er Geschäftsführer beim Bund Naturschutz in Bayern e.V. Seine Arbeit befasst sich mit den Folgen des Klimawandels für Umwelt und Gesellschaft – in Forschung, Lehre, Beratung und politischer Praxis.
Literaturempfehlung:
Foken, Thomas ; Lüers, Johannes: Oberfranken im Klimawandel
Berlin : Springer , 2025 . – XVI, 191 S./ISBN 978-3-662-71651-9
DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-662-71651-9

