Die Zahl der älteren Menschen in Franken nimmt stetig zu. Noch schneller aber nimmt die Zahl derjenigen zu, deren Einkommen im Alter nicht mehr für den Lebensunterhalt reicht. Bis Ende 2025 stieg innerhalb von zehn Jahren die Zahl der Empfänger von Grundsicherung um 46 Prozent, während im gleichen Zeitraum die Zahl der Senioren über 65 nur um 14 Prozent auf 974.000 Menschen zunahm. Der demographische Wandel allein erklärt damit den steigenden Anteil der Menschen nicht, die für ihren Lebensunterhalt auf Grundsicherung angewiesen sind.
Ende 2025 waren in Ober-, Mittel- und Unterfranken insgesamt 32.200 Menschen über 65 auf Grundsicherung angewiesen, 10.100 mehr als zehn Jahre davor (2015: 22.100). Die Zahl der Grundsicherungsempfänger nahm mit 46 Prozent dreimal so stark zu wie die Zahl der Einwohner über 65 Jahre. Auch wenn die unterschiedlichen gesetzlichen Altersgrenzen einen Langzeitvergleich erschweren, zeigt die Entwicklung eindeutig: Nicht nur die Alterung lässt die Empfängerzahlen steigen. Auch innerhalb der älteren Bevölkerung hat die Bedürftigkeit und damit der Anspruch auf Grundsicherung zugenommen.
Mittelfranken mit der höchsten Quote
Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung in Mittelfranken. Die Zahl der Grundsicherungsempfänger über 65 stieg innerhalb von zehn Jahren um 5.300 auf 16.800 Menschen (plus 46 Prozent). Mittelfranken hat zwar von den drei Regierungsbezirken die größte Bevölkerung, doch dies allein erklärt den Anstieg nicht: Bezogen auf jeweils 1.000 Einwohner ab 65 Jahren stieg die Grundsicherungsquote von rund 33 im Jahr 2015 auf 43 im Jahr 2025. Damit ist die Abhängigkeit von Grundsicherung im Alter in Mittelfranken deutlich größer als in Ober- und Unterfranken.
In Oberfranken mehr Grundsicherung trotz stagnierender Bevölkerung
In Oberfranken kann die Alterung der Bevölkerung als Erklärung praktisch ausgeschlossen werden, denn die Einwohnerzahl ging leicht zurück. Trotzdem nahm die Zahl der älteren Grundsicherungsempfänger von rund 4.650 auf mehr als 7.100 zu – ein Zuwachs um mehr als die Hälfte. Zwar ist auch die oberfränkische Bevölkerung älter geworden. Doch selbst bezogen auf die Zahl der Senioren zeigt sich der Anstieg: 2015 kamen rund 20 Grundsicherungsempfänger auf 1.000 Einwohner ab 65 Jahren, 2025 waren es etwa 27. Oberfranken macht damit deutlich, dass der demografische Wandel als Erklärung nicht ausreicht.
Entwicklung im 10-Jahres-Vergleich
| Region | ältere Empfänger 2015 | ältere Empfänger 2025 | Anstieg | je 1.000 Einwohner 65+ 2015 | je 1.000 Einwohner 65+ 2025 |
| Oberfranken | ca. 4.650 | 7.115 | ca. +53 % | 20,1 | 27,4 |
| Mittelfranken | ca. 11.500 | 16.820 | ca. +46 % | 32,8 | 42,5 |
| Unterfranken | ca. 5.900 | 8.285 | ca. +40 % | 21,8 | 26 |
| Franken | ca. 22.100 | 32.220 | ca. +46 % | 25,8 | 33,1 |
In Unterfranken wirkt die Alterung stärker
Anders stellt sich die Entwicklung in Unterfranken dar. Dort stieg die Zahl der älteren Grundsicherungsempfänger von knapp 5.900 auf rund 8.300 Menschen. Gleichzeitig nahm die Bevölkerung ab 65 Jahren stärker zu als in den beiden anderen Regierungsbezirken. Entsprechend fällt der Anstieg der Grundsicherungsquote schwächer aus: von rund 22 auf 26 Empfänger je 1.000 ältere Einwohner. Unterfranken zeigt damit am deutlichsten den demografischen Effekt: Wenn die Zahl älterer Menschen steigt, nimmt schon dadurch die Zahl potenzieller Leistungsbezieher zu. Aber auch hier wächst die Grundsicherung schneller als die ältere Bevölkerung.
33 von 1.000 Menschen haben zu wenig zum Leben
Franken wird älter, zugleich wächst innerhalb der älteren Bevölkerung der Anteil der Menschen, deren Einkommen für den Lebensunterhalt nicht mehr ausreicht: Ihr Zahl stieg bis 2025 auf 33 Grundsicherungsempfänger (2015: 26)
Frauen stellen die Mehrheit der Betroffenen
Weit häufiger als Männer sind Frauen auf Grundsicherung angewiesen. Von den 32.200 Leistungsberechtigten über 65 waren 2025 rund 18.900 Frauen (50 Prozent) und 13.400 Männer. In Oberfranken waren rund 4.100 Frauen (3.000 Männer) auf die Leistung angewiesen, in Mittelfranken etwa 9.800 (7.000) und in Unterfranken rund 4.950 Frauen (3.350 Männer). Die amtliche Statistik weist die Empfänger nach Geschlecht und Altersgruppen getrennt aus.
Der Unterschied hat mehrere Ursachen. Die heute älteren Frauen waren während ihres Erwerbslebens häufiger wegen Kindererziehung oder Pflege nicht oder nur in Teilzeit beschäftigt und erzielten im Durchschnitt niedrigere Einkommen. Entsprechend geringer sind ihre eigenen Rentenansprüche heute. Hinzu kommt eine gegenüber Männern höhere Lebenserwartung und leben nach dem Tod ihres Partners häufiger allein. Allerdings nimmt die Grundsicherungsbedürftigkeit auch bei Männern zu.
Nichtdeutsche fallen statistisch auf
Eine kleine, aber auffällige Gruppe sind ältere Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Ihr Grundsicherungsrisiko liegt erheblich über dem der deutschen Bevölkerung und ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Für die Gesamtentwicklung in Franken ist diese Gruppe aufgrund ihrer geringeren Zahl jedoch nicht allein ausschlaggebend. Zudem darf „nichtdeutsch“ nicht mit „Flüchtling“ gleichgesetzt werden: Die Kategorie umfasst alle Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit unabhängig davon, wann und aus welchem Grund sie nach Deutschland gekommen sind. Empfänger von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz gehören grundsätzlich nicht zu dieser Sozialhilfestatistik.
Alterung allein erklärt die Entwicklung nicht
Die Zahlen verändern damit den Blick auf die Folgen des demografischen Wandels. Würde allein die Alterung die Grundsicherungsausgaben treiben, müsste die Zahl der Leistungsberechtigten ungefähr im gleichen Verhältnis wachsen wie die ältere Bevölkerung. Tatsächlich ist sie erheblich stärker gestiegen.
Ob jemand Anspruch auf Grundsicherung hat, hängt nicht nur von seiner Rente ab, sondern vom Verhältnis zwischen verfügbarem Einkommen und dem sozialrechtlich anerkannten Bedarf. Steigende Regelbedarfe und Wohnkosten können deshalb ebenfalls dazu führen, dass zusätzliche Menschen anspruchsberechtigt werden.
Der Befund bleibt dennoch: In Franken leben mehr ältere Menschen als vor zehn Jahren – und innerhalb dieser wachsenden Altersgruppe sind zugleich mehr Menschen auf staatliche Unterstützung angewiesen. Die künftige Belastung entsteht deshalb aus einer problematischen Kombination: Eine alternde Bevölkerung trifft auf ein gestiegenes individuelles Grundsicherungsrisiko.
Quellen
Statistik und Berechnungsgrundlagen
Grundlage der Auswertung ist der Bericht „Sozialhilfe in Bayern 2025 – Teil 2: Empfängerinnen und Empfänger“ des Bayerischen Landesamtes für Statistik. Für 2025 weist die Statistik bei der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung insgesamt 11.930 Leistungsberechtigte in Oberfranken, 25.810 in Mittelfranken und 13.895 in Unterfranken aus. Davon hatten 7.115, 16.820 beziehungsweise 8.285 Menschen die gesetzliche Altersgrenze erreicht.
Für den Zehnjahresvergleich wurden die Empfängerzahlen der Sozialhilfestatistik 2015 und 2025 mit der jeweiligen Bevölkerung ab 65 Jahren verglichen. Daraus ergeben sich folgende standardisierte Werte:
Der Vergleich der Quoten ist eine Näherungsrechnung. 2015 lag die sozialrechtliche Altersgrenze noch näher bei 65 Jahren; 2025 liegt sie wegen der schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters darüber. Die Bezugsbevölkerung wurde dagegen für beide Jahre einheitlich mit „65 Jahre und älter“ definiert. Außerdem werden die aktuellen Sozialhilfedaten aus Gründen der statistischen Geheimhaltung auf Fünferwerte gerundet.
