In Franken übernehmen Flüchtlinge und Zuwanderer vor allem Arbeitsplätze, für die Betriebe seit Jahren kaum noch Personal finden, die geringe formale Eintrittsschwellen haben und die für deutsche Arbeitskräfte meist wenig attraktiv sind. Es sind Stellen in der Logistik, im Handel und der Gastronomie, bei Sicherheitsdiensten, beim Bau und in sozialen Dienstleistungen. Eine Verdrängung deutscher Arbeitnehmer durch Migration lässt sich statistisch nicht belegen.
Die Bevölkerung altert und der Arbeitsmarkt verändert sich: Immer mehr Beschäftigte in Ober-, Mittel- und Unterfranken gehen in den Ruhestand, der Fach- und Arbeitskräftemangel nimmt zu. Zuwanderer und Flüchtlinge sorgen für einen Ersatz. Durch Zuwanderung aus der EU, durch Erwerbs- und Bildungsmigration, Familiennachzug und Fluchtmigration kamen zwischen 2017 und 2025 rund 550.000 Menschen nach Franken. Der Schwerpunkt ist der Ballungsraum Nürnberg–Fürth–Erlangen, wo jeder sechste Einwohner keine deutsche Staatsangehörigkeit hat. Oberfranken dagegen weist den niedrigsten Anteil auf.
Keine allgemeine Verdrängung deutscher Arbeitnehmer
Die Arbeitsmarktforschung widerlegt die These, Flüchtlinge und Zuwanderer nehmen deutschen Beschäftigten die Arbeitsplätze weg. Vielmehr füllen Einwanderer den Arbeitskräftebedarf und sichern damit auch die Entwicklung von Betrieben. Nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) arbeiten Geflüchtete überdurchschnittlich häufig in Branchen, in denen Betriebe seit Jahren Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen: Fast jeder vierte arbeitet in Handel, Verkehr oder Lagerwirtschaft (25 Prozent). Es folgen Wach- und Sicherheitsdienste sowie Garten- und Landschaftsbau (je 16 Prozent), das Gastgewerbe (14 Prozent), Gesundheit und Soziales (13 Prozent), Dienstleistungen (12 Prozent), das verarbeitende Gewerbe (10 Prozent) und das Baugewerbe (8 Prozent).
Zwischen 2017 und 2025 kamen rund 550.000 Zuwanderer und Flüchtlinge nach Nordbayern
| Regierungsbezirk | Ausländer 2017 | Anteil Bevölkerung 2017 | Ausländer 2025 | Anteil Bevölkerung 2025 | Veränderung 2017-2025 |
| Oberfranken | 75.061 | 7,00% | 104.618 | 9,90% | 39,40% |
| Mittelfranken | 238.507 | 13,60% | 299.732 | 16,70% | 25,70% |
| Unterfranken | 109.631 | 8,30% | 146.191 | 11,10% | 33,30% |
| Franken insgesamt | 423.199 | – | 550.541 | – | 30,10% |
Konkret stützen zugewanderte Arbeitskräfte in Nordbayern Betriebe der Logistik und Lagerwirtschaft im Großraum Nürnberg sowie entlang der Autobahnachsen, die Gastronomie und Hotellerie in Städten und Tourismusregionen, Gebäudereinigung, Sicherheitsdienste und Arbeitnehmerüberlassung. Sie sind tätig in der Lebensmittelwirtschaft und in der saisonabhängigen Landwirtschaft, im Bau und Gartenbau sowie in der einfachen industriellen Produktion.
Schwerpunkt Mittelstand
Die Personalabteilungen größerer Unternehmen verlangen bei der Einstellung von Zuwanderern in der Regel Zeugnisse, Sprachzertifikate und anerkannte Berufsabschlüsse. Dies erschwert für viele Migranten den Zugang zu großen Unternehmen. Die IAB-Studie zeigt: Flüchtlinge und Zuwanderer finden überwiegend in kleinen und mittleren Unternehmen Arbeit, wo Einstellungen flexibler sind und man auch auf Sprachzertifikate und anerkannte Abschlüsse verzichten kann.
Gerade diese Betriebe aber bilden das Rückgrat der fränkischen Wirtschaft. Sie bieten einerseits Migranten den ersten Einstieg in den Arbeitsmarkt, stoßen andererseits bei der Sprachförderung und bürokratischen Verfahren an ihre Grenzen. Nach Einschätzung des IAB liegen hier die größten Integrationshemmnisse.
Geflüchtete arbeiten vor allem im Mittelstand
| Betriebsgröße 2025 | Ukrainische Geflüchtete | Alle Beschäftigten |
| 1 bis 10 Beschäftigte | 23% | 15% |
| 11 bis 50 Beschäftigte | 32% | 26% |
| 51 bis 250 Beschäftigte | 32% | 26% |
| Mehr als 250 Beschäftigte | 13% | 33% |
Viele Geflüchtete arbeiten deshalb zunächst deutlich unter ihrer eigentlichen Qualifikation. Eine schnellere Anerkennung von Berufsabschlüssen, berufsbezogene Sprachförderung und einfachere Verwaltungsverfahren könnten nach Ergebnissen der Studie dazu beitragen, vorhandene Fachkräftepotenziale besser zu nutzen. Besonders relevant ist dies bei Ärzten, Pflegekräften, Erziehern, Lehrern, Ingenieuren und anderen qualifizierten Berufen.
Denn die Folge für die zugezogene Arbeitskraft ist ein erhebliches „Dequalifizierungsrisiko“: Eine Ärztin arbeitet in der Pflegehilfe, eine Lehrerin in der Gastronomie oder ein Techniker im Lager. Sprachbarrieren und Anerkennungsprobleme von Abschlüssen wiegen offenbar schwerer als das Bildungsniveau im Herkunftsland.
Kinderbetreuung bremst insbesondere Frauen
Auch die Erwerbsintegration geflüchteter Frauen verläuft deutlich langsamer. Ursachen sind Betreuungspflichten, fehlende Kita-Plätze, traditionelle Rollenverteilungen und weniger Zeit für Sprach- und Integrationskurse. Bei ukrainischen Geflüchteten kommt hinzu, dass viele Frauen ohne Partner und mit Kindern eingereist sind. Dadurch bleibt ein großes Potenzial an Arbeitskräften ungenutzt.
Integration braucht mehr als eine schnelle Vermittlung
Die Beschäftigungsquote steigt mit der Aufenthaltsdauer. Nach den vom IAB ausgewerteten individuellen Erwerbsverläufen waren sechs Monate nach der Ankunft zwölf Prozent der ukrainischen Geflüchteten abhängig beschäftigt, nach 24 Monaten 25 Prozent und nach 42 Monaten 50 Prozent. Diese Zahlen zeigen, dass Arbeitsmarktintegration ein längerer Prozess ist. Der erste Arbeitsplatz ist nicht automatisch das Ziel. Wichtiger ist, ob der Aufstieg aus einer Helfertätigkeit in eine qualifizierte und angemessen bezahlte Beschäftigung gelingt.
Für Franken wären bei der Beschäftigung zugezogener Arbeitskräfte deshalb vier Schritte besonders wichtig: Anerkennungsverfahren und Kompetenzfeststellungen müssten schneller werden; berufliche Sprache sollte stärker mit praktischer Arbeit verbunden werden; kleine und mittlere Unternehmen brauchen feste Ansprechpartner bei den Behörden und Ämtern und Geflüchtete sollten nach dem ersten Arbeitseinstieg weiter qualifiziert werden.
Quellen
Anmerkungen zu diesem Beitrag:
„Ausländer“ sind alle Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit. „Geflüchtete“ bilden nur einen Teil dieser Gruppe und werden in der Arbeitsmarktstatistik vor allem über Herkunftsländer oder den Aufenthaltsstatus erfasst. Eine durchgehend vergleichbare jährliche Statistik der Zahl sämtlicher Geflüchteter für die drei Regierungsbezirke von 2017 bis 2025 ist öffentlich nicht verfügbar. Für die regionale Entwicklung lässt sich deshalb zuverlässig der Ausländerbestand darstellen; für die Beschäftigungsstruktur Geflüchteter werden die repräsentativen Ergebnisse des IAB-Betriebspanels herangezogen.
- Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: Beschäftigung Geflüchteter in deutschen Betrieben: Einfache Tätigkeiten überwiegen, IAB-Forschungsbericht 7/2026.
- Bayerisches Landesamt für Statistik beziehungsweise Regierung von Mittelfranken: Bevölkerungsstand und Ausländeranteile nach Regierungsbezirken, 2017 und 2025. (regierung.mittelfranken.bayern.de)
- Bundesagentur für Arbeit: Statistiken und Berichte zu Migration und Arbeitsmarkt. (Statistik der Bundesagentur für Arbeit)
- IAB: Untersuchungen zum demografisch bedingten Arbeitskräftebedarf und zur Rolle ausländischer Beschäftigter. (iab.de)
- OECD und DIW: Forschung zu Beschäftigungs- und Lohneffekten der Migration. (DIW Berlin)
