Die Kulmbacher Brauerei benötigte 2025 zur Bierherstellung weniger Wasser und konnte pro Hektoliter Bier den Verbrauch um 2,4 Prozent reduzieren. Trotz des Ausbaus von Photovoltaik und dem Einsatz von selbst erzeugtem Biogas stiegen dagegen die Treibhausgasemissionen: Gegenüber dem Vorjahr wurden rund 30 % mehr produktionsbedingte CO₂-Äquivalente ausgewiesen. Dabei erhöhte sich der Stromverbrauch je Hektoliter Bier, während der Gesamtenergieverbrauch der Produktion stagnierte.
In Kulmbach wurden 2025 rund 1,853 Millionen Hektoliter Bier und Biermischgetränke produziert beziehungsweise abgefüllt. Während die Produktion um 0,4 Prozent zurückging, konnte der Wasserverbrauch um 2,5 Prozent auf 612.282 Kubikmeter gesenkt werden. Für einen Hektoliter Bier wurden damit 330 (Vorjahr: 338) Liter Wasser benötigt. Anders ausgedrückt: Die Herstellung eines Liters Bier benötigte einschließlich Reinigung und Produktionsprozesse rund 3,3 Liter Wasser.
Das meiste Wasser wird allerdings nicht für das Bier benötigt, sondern für Prozesse im Sudhaus, zur Kühlung und vor allem zur Reinigung von Tanks, Rohrleitungen und Flaschen. Allein die Reinigung von fünf Mehrwegflaschen benötigte knapp einen Liter Wasser. Die Kulmbacher Brauerei will Wasser noch stärker im Kreislauf führen und Reinigungsprozesse optimieren. So soll beispielsweise bei einem Reinigungsgang von Gär- und Lagerkellern künftig bis zu acht Kubikmeter Wasser eingespart werden.
Energieverbrauch sinkt nicht in gleicher Weise
Weniger eindeutig fällt die Energiebilanz aus. 2025 stieg der gesamte Energieeinsatz der zwei Kulmbacher Standorte trotz rückläufiger Produktion von 48,11 auf 48,34 Millionen Kilowattstunden. Auch der spezifische Gesamtenergieverbrauch nahm von 23,28 auf 23,46 Kilowattstunden je Hektoliter zu. Auffällig ist vor allem der Stromverbrauch, der sich von 7,18 auf 7,39 Kilowattstunden je Hektoliter erhöhte. Der Wärmeenergieverbrauch aus Erdgas, Biogas und Staplergas blieb dagegen mit 16,08 Kilowattstunden konstant.
Dabei konnte 2025 gegenüber dem Vorjahr die eigene Stromproduktion mit Photovoltaikanklagen mit 1,14 Millionen Kilowattstunden verdoppelt werden. Insgesamt verfügt die Brauerei heute über 1.500 Kilowatt Peak Photovoltaikleistung.
CO₂-Ausstoß steigt deutlich
Der Anteil von Photovoltaik und Biogas aus der anaeroben Abwasserbehandlung am Energieverbrauch stieg 2025 nach Angaben der Brauerei von 8,3 (2024) auf 9,2 Prozent. Damit werden aber weiterhin über 90 Prozent des direkten Energiebedarfs zugekauft. Dieser Zukauf ist verantwortlich für den problematischsten Wert bei den Treibhausgasen im Jahr 2025.
Die Kulmbacher Gruppe in Zahlen
Wirtschaftlich gehört die Kulmbacher Brauerei zu den großen regionalen Getränkeherstellern. 2025 setzte die Gruppe 3,594 Millionen Hektoliter Getränke ab, 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Bierabsatz sank um 2,4 Prozent, Mineralwasser und alkoholfreie Erfrischungsgetränke legten dagegen um 1,6 Prozent zu. Der Konzern erzielte 290,6 Millionen Euro Umsatz, ein EBIT von 8,5 Millionen Euro und einen Konzernjahresüberschuss von 4,9 Millionen Euro; im Jahresdurchschnitt waren 933 Menschen beschäftigt.
Rund 201,9 Millionen Euro erzielte die Brauerei mit dem Verkauf von Bier, 64,5 Millionen Euro mit alkoholfreien Getränken. Zur Gruppe gehören neben der Kulmbacher Brauerei unter anderem Sternquell in Plauen, Würzburger Hofbräu, Scherdel in Hof und Bad Brambacher Mineralquellen. Zu den wichtigsten Marken zählen Kulmbacher, Mönchshof, Kapuziner, EKU, Keiler, Würzburger Hofbräu, Sternquell und Bad Brambacher. Die Paulaner Brauerei Gruppe hält mehr als 50 Prozent des Grundkapitals der börsennotierten Kulmbacher Brauerei AG; IREKS hält mittelbar und unmittelbar mehr als 25 Prozent.
Durch die Bilanzierung des bezogenen Stroms erhöhten sich die Gesamtemissionen von 9.589 auf 11.646 Tonnen CO₂ beziehungsweise CO₂-Äquivalente – ein Anstieg um gut 21 Prozent. Die mit dem Bezug von Strom zugerechneten Emissionen stiegen von 2.801 auf 4.867 Tonnen.
Auch bei der Bierherstellung verschlechterte sich die Bilanz deutlich. Die produktionsbedingten Treibhausgasemissionen stiegen von 4,50 Kilogramm CO₂-Äquivalent je Hektoliter um 30 Prozent auf 5,85 Kilogramm. Gleichzeitig wurden durch Biogas und Photovoltaik rechnerisch 0,517 Kilogramm CO₂ je Hektoliter eingespart (Vorjahr: 0,429 Kilogramm). Das zeigt eine Besonderheit der Umweltbilanz: Technische Effizienz und Klimabilanz können sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln. Die Brauerei benötigte 2025 kaum mehr Energie als im Vorjahr, die diesem Verbrauch zugerechneten CO₂-Emissionen lagen jedoch deutlich höher.
Weniger Abwasser – geringere organische Belastung
Die angefallene Abwassermenge ging um fünf Prozent von 373.835 auf 355.306 Kubikmeter zurück. Damit sank die als chemischer Sauerstoffbedarf gemessene organische Schmutzfracht von 259 auf 229 Tonnen. Das Abwasser aus der Produktion wird zunächst in einer eigenen anaeroben Anlage behandelt. Dabei entsteht das bereits erwähnte Biogas. Erst anschließend gelangt das Wasser in das öffentliche Kanalnetz. Der durchschnittliche chemische Sauerstoffbedarf lag 2025 mit 644 Milligramm je Liter unter dem zulässigen Einleitwert von 1.100 Milligramm.
94 Prozent Mehrweg
Ein weiterer Umweltaspekt ist die Verpackung. Nach eigenen Angaben werden 94 Prozent der Kulmbacher Biere in Mehrweggebinden verkauft. Die Mehrwegflaschen bestehen zu rund 85 Prozent aus Altglas. Damit liegt die Brauerei bei ihren Bieren weit über der gesamtdeutschen Mehrwegquote, für die 2024 das Umweltbundesamt über alle relevanten Getränkesegmente 34,5 Prozent ausweist (Umweltbundesamt). Allerdings bedeutet Mehrweg nicht automatisch weniger Umweltbelastung: Glas ist schwer, Flaschen müssen zurücktransportiert und mit Wasser sowie Energie gereinigt werden.
Ökobilanz mit zwei Seiten
Die Entwicklung der Ökobilanz der Kulmbacher Brauerei zeigt zwei Seiten. Beim Wasserverbrauch, beim Abwasser und beim Ausbau eigener Photovoltaik hat Kulmbacher messbare Fortschritte erzielt. Der hohe Mehrweganteil ist ebenfalls ein ökologischer Vorteil. Beim Gesamtenergieverbrauch ist 2025 keine Verbesserung erkennbar, der spezifische Stromverbrauch stieg sogar. Durch den Strombezug verschlechterte sich rechnerisch die CO₂-Bilanz der Brauerei.
Für das Umweltbundesamt bietet Mehrweg nur in regionalen Absatzgebieten mit kurzen Transportwegen Vorteile. (Umweltbundesamt)
Beim betrieblichen Abfall zeigt sich 2025 kein eindeutiger Fortschritt. Der „nicht gefährliche“ Abfall blieb mit 41.570 Tonnen nahezu unverändert. Je Hektoliter stieg dieser leicht von 22,33 auf 22,44 Kilogramm. Der größte Teil besteht aus brauereitypischen Reststoffen wie Treber, Hefe und Kieselgur; Treber und Hefe werden unter anderem landwirtschaftlich verwertet. Die gefährlichen Abfälle blieben mit 11,1 Tonnen konstant. Auffällig ist der Anstieg des Altglases von 0,97 auf 1,23 Kilogramm je Hektoliter.
Weitere Einsparungen sind geplant
Die Brauerei sieht bei Pumpen, Heißwasserbereitung und Beleuchtung weiteres Einsparpotential. Beim Erdgas soll der spezifische Verbrauch von 16,08 auf 15,97 Kilowattstunden je Hektoliter sinken. Perspektivisch soll für die Entalkoholisierung eine 610-Kilowatt-Wärmepumpe eingebaut werden mit einer Leistung von einer Million Kilowattstunden Wärme im Jahr.
Was die Umweltbilanz nicht zeigt
Die Zahlen haben allerdings eine wesentliche Grenze. Die detaillierte Umwelterklärung gilt für die Kulmbacher Brauerei AG und deren zwei Braustätten in Kulmbach, nicht für die komplette Unternehmensgruppe mit ihren weiteren Brauereien und dem Mineralbrunnen. Schon deshalb lassen sich die Umweltkennzahlen nicht unmittelbar auf die 3,594 Millionen Hektoliter Getränkeabsatz des Konzerns hochrechnen. Noch wichtiger ist eine zweite Einschränkung: Erfasst werden überwiegend die Belastungen unmittelbar im Zusammenhang mit dem Brauereistandort Kulmbach. Eine vollständige Ökobilanz eines Bieres beginnt beim Anbau von Braugerste und Hopfen samt Dünger- und Pflanzenschutzmitteleinsatz, über die energieintensive Herstellung von Malz, die Produktion neuer Flaschen, Kästen und Etiketten und endet mit den Transporten der Rohstoffe, des Bieres und des Leerguts. Internationale Lebenszyklusanalysen kommen zu dem Ergebnis, dass Rohstofferzeugung und Verpackung zu den größten Umweltbelastungen eines Bieres gehören können. Eine umfassende britische Lebenszyklusanalyse beziffert den Anteil der Rohstoffproduktion je nach Verpackung beispielsweise auf 47 bis 63 Prozent der untersuchten Umweltwirkungen und den der Verpackung auf 19 bis 46 Prozent. (Springer)
Das bedeutet nicht, dass diese Werte unmittelbar auf die Kulmbacher Brauereigruppe übertragen werden können. Sie zeigen aber, welche Informationen für eine vollständige Klimabilanz der Kulmbacher Produkte noch fehlen: insbesondere Treibhausgasemissionen der Lieferkette, Umweltwirkungen des Gersten- und Hopfenanbaus, Malzherstellung, Herstellung und Umläufe der Verpackungen sowie die tatsächlichen Transportkilometer von Rohstoffen, Getränken und Leergut. Beim Wasser gilt Ähnliches. Die ausgewiesenen 3,3 Liter Wasser je Liter Bier beschreiben den Wasserverbrauch in der Brauerei. Sie sind nicht mit dem gesamten Wasserfußabdruck eines Liters Bier gleichzusetzen, der beispielsweise auch den landwirtschaftlichen Rohstoffanbau berücksichtigt.
Quellen
Jahresabschluss der Kulmbacher Gruppe
Umwelterklärung der Kulmbacher Brauerei AG
https://www.emas.de/umwelterklaerungen?type=98
Umweltbundesamt
Springer: Life cycle environmental impacts and costs of beer production and consumption in the UK
