Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Frauen an deutschen Universitäten eine Ausnahme. Im Wintersemester 1903/04, kurz nachdem Frauen überhaupt zum Studium zugelassen worden waren, studierten in Bayern und Baden lediglich 80 Frauen unter 4.855 Studierenden – ein Anteil von kaum zwei Prozent. Das Studium war eine nahezu ausschließlich männliche Domäne. Ein Jahrhundert später hat sich das Bild grundlegend verändert. Heute stellen Frauen an den Hochschulen nahezu die Hälfte der Studierenden und sie sind bei den Studienanfängern sogar in der Mehrheit, wie die Entwicklung an den vier fränkischen Universitäten Erlangen-Nürnberg, Würzburg, Bayreuth und Bamberg zeigt.
Aktuelle Zahlen zum Wintersemester 2025/26 belegen: Frauen prägen den Studienstart in Franken. An der Universität Bamberg liegt ihr Anteil unter den Studienanfängern bei rund 69 Prozent, an der Universität Würzburg bei etwa 65 Prozent. Auch an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie an der Universität Bayreuth erreichen Studentinnen mindestens ein ausgeglichenes Verhältnis zu ihren männlichen Kommilitonen. Insgesamt liegt der Frauenanteil bei den Studienanfängern der vier Universitäten deutlich über der Hälfte.
Langfristiger Trend
Diese Entwicklung spiegelt einen langfristigen Trend wider: Während Frauen früher nur vereinzelt an Universitäten vertreten waren, sind sie heute selbstverständlicher Teil der akademischen Landschaft – und prägen sie zunehmend. Allerdings unterscheiden sich die Frauenanteile je nach Studienfach weiterhin deutlich.
Besonders stark vertreten sind Studentinnen traditionell in den Geistes- und Sozialwissenschaften, in Pädagogik, Sprach- und Kulturwissenschaften sowie in Gesundheits- und medizinischen Fächern. Gerade Universitäten mit solchen Studienangeboten – etwa Bamberg oder Würzburg – weisen deshalb besonders hohe Frauenanteile auf.
Bedeutung für Franken
Die unterschiedlichen Frauenanteile erklären auch die Gesamtstruktur der Universitäten:
- Universität Bamberg: viele Geistes- und Sozialwissenschaften → sehr hoher Frauenanteil
- Universität Würzburg: Medizin und Life Sciences → ebenfalls viele Studentinnen
- FAU Erlangen-Nürnberg: große technische Fakultäten → stärker ausgeglichen
- Universität Bayreuth: Mischung aus Recht, Wirtschaft und Naturwissenschaften → mittlere Quote
Deutlich niedriger ist der Frauenanteil dagegen weiterhin in technischen Studiengängen, etwa in Informatik, Elektrotechnik oder Maschinenbau. Universitäten mit großen technischen Fakultäten, wie die FAU Erlangen-Nürnberg, zeigen deshalb insgesamt ein ausgeglicheneres Verhältnis zwischen Männern und Frauen.
Trotz dieser Unterschiede ist die Entwicklung eindeutig: Innerhalb von gut hundert Jahren hat sich die Rolle der Frauen an Universitäten grundlegend gewandelt. Aus wenigen Pionierinnen ist eine Generation von Studentinnen geworden, die vielerorts die Mehrheit bildet.
Studienfächer mit hohem und niedrigem Frauenanteil in Franken
| Studienfach | Frauenanteil | Universitäten in Franken | |
| 1 | Pädagogik / Erziehungswissenschaft | 75–80 % | Bamberg, Erlangen-Nürnberg |
| 2 | Psychologie | 70–75 % | Würzburg, Bamberg |
| 3 | Germanistik / Sprachwissenschaft | 70–75 % | Bamberg, Würzburg |
| 4 | Anglistik / Romanistik | 70 % | Bamberg, Würzburg |
| 5 | Pharmazie | 65–70 % | Würzburg, Erlangen-Nürnberg |
| 6 | Medizin / Humanmedizin | 60–65 % | Würzburg, Erlangen-Nürnberg |
| 7 | Biologie / Life Sciences | 60–65 % | Würzburg, Bayreuth |
| 8 | Sozialwissenschaften / Soziologie | 60–65 % | Bamberg, Bayreuth |
| 9 | Kommunikations- und Medienwissenschaft | ca. 60 % | Bamberg |
| 10 | Rechtswissenschaft | 55–60 % | Bayreuth, Erlangen-Nürnberg |
| 11 | Mathematik | 35–40 % | Erlangen-Nürnberg, Würzburg |
| 12 | Physik | 25–30 % | Erlangen-Nürnberg, Würzburg |
| 13 | Informatik | 20–25 % | Erlangen-Nürnberg, Bayreuth |
| 14 | Elektrotechnik | 15–20 % | Erlangen-Nürnberg |
| 15 | Maschinenbau / Ingenieurwissenschaften | 15–20 % | Erlangen-Nürnberg |
Die Statistik zeigt damit klar: Die fränkischen Universitäten sind weiblich. Mit Anteilen von rund 50 bis fast 70 Prozent unter den Studienanfängern sind heute Frauen die Mehrheit. Der Weg von wenigen Pionierinnen zu einer starken weiblichen Präsenz im Hörsaal verdeutlicht den Wandel in Hochschulen und in der Gesellschaft seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Anders dagegen dürfte noch die Situation beim Lehrpersonal sein: Hier dominieren noch die Männer: Professorinnen und weibliche Lehrbeauftragte oder gar forschende Frauen sind an den fränkischen Universitäten weiterhin deutlich unterrepräsentiert.
Quellen
- Statistische Quelle:
Bayerisches Landesamt für Statistik – Schnellmeldung Hochschulen Wintersemester 2025/26
https://www.statistik.bayern.de/mam/statistik/bildung_soziales/hochschulen/20251120_2._schnellmeldung_ws_25_26.pdf
