In Franken arbeiten mehr Menschen denn je: Die Zahl der Erwerbstätigen in Ober-, Mittel- und Unterfranken ist von Januar 2007 bis August 2025 um 20,3 Prozent auf 2.037.190 Beschäftigte gestiegen, ein neuer Rekord1).
Der größte Zuwachs kam dabei aus dem Bereich der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit einem Plus von 26,2 Prozent auf 1.817.060 Erwerbstätige. Die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten sank dagegen um 13,3 Prozent auf 220.120. Der alleinige Blick auf die Entwicklung der Erwerbstätigen verkenne jedoch „die dramatischen Verschiebungen in der Struktur der Erwerbstätigkeit“ und damit den Wandel in der Wirtschaft, schreiben Bernd Fitzenberger und Karolin Hiesinger in ihrer Studie für das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesanstalt für Arbeit 2).
IHK warnt vor Deindustrialisierung
Den Wandel in der Wirtschaft aus einer anderen Sicht beschreibt Michael Waasner, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth: „Die Deindustrialisierung Oberfrankens schreitet ungebremst voran“, warnte er in einem Artikel für den Nordbayerischen Kurier3) rechtzeitig vor der Wahl und rechnet pauschal vor, dass der Beschäftigtenabbau der Einwohnerzahl von Städten wie Kronach oder Hirschaid entspricht. Tatsächlich und im vergleichbaren Zeitraum stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Franken jedoch um 29.460 Erwerbstätige – etwa so viel, wie die beiden Städte Kronach und Hirschaid zusammen Einwohner haben.
Fehlende Aufträge
Für den Abbau von 15.252 Arbeitsplätzen zwischen 2019 und 2025 in der Industrie macht der oberfränkische IHK-Präsident ausbleibende Aufträge verantwortlich. Ursache dieser Entwicklung sind laut IHK drei Hauptgründe: schlechte Standortbedingungen für die Industrie, unsichere internationale Märkte und die Krise der deutschen Automobilhersteller, die „voll auf die über 200 Automobilzulieferer in Oberfranken durchschlägt“.
Bundesweiter Trend
In Deutschland arbeiten mehr Menschen denn je: Die Zahl der Erwerbstätigen ist seit 2015 um 6,6 Prozent von etwa 43 Millionen auf fast 46 Millionen Menschen im Jahr 2025 gestiegen – ein neuer Rekord.

Um Ausgleich in der Darstellung bemüht betont die IHK für Oberfranken auch „Zuwächse in anderen Wirtschaftszweigen, aber die reichen nicht aus, um die Verluste in der Industrie zu kompensieren, etwa in der öffentlichen Verwaltung (plus 5741 seit 2019), im Gesundheits- und Sozialwesen (plus 3342), im Bereich Verkehr und Logistik (plus 2566), Erziehung und Unterricht (plus 2557) oder den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (plus 2134). Zusammengefasst sind nach IHK-Angaben 16.360 neue Arbeitsplätze in Oberfranken entstanden – über 1.000 mehr als in der Industrie wegfielen.
Veränderte
Nachfrage
In der Summe machen die Zahlen jedoch deutlich: Die Wirtschaft und vor allem die Industrie in Franken hat begonnen sich zu verändern. Vor allem bei den Automobilzulieferern und Herstellern elektrischer Ausrüstungen werden weitere Arbeitsplätze wegfallen. Verantwortlich ist der Wandel in den Märkten und bei der Nachfrage, der zwangsläufig auch zu einem Wandel an den Standorten führen. Historische Beispiele dafür sind in Franken die Textilindustrie – wer erinnertv sich heute noch die Textilgruppe Hof, den einst größten Textilproduzenten Deutchlands – oder die bereits vor Jahren erkennbaren Absatzprobleme der Schweinfurt Automobilzulieferer (FAG Kugelfischer oder SKF), um nur einige zu nennen. Die Nachfrage hat sich geändert und die Angebotsseite muss sich dieser Entwicklung nach dem Motto fügen: Der Markt wird es regeln.
Der Automobilzulieferer Brose plant den Einstieg in den Raumfahrt- und Satellitensektor. Dazu hat das Familienunternehmen 2025 Partnerschaften mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen geschlossen: dem Fraunhofer-Institut EMI, dem Fraunhofer ISC und dem BERLIN SPACE Consortium (BERLIN SPACE). Ziel ist, Kleinsatelliten und Komponenten für die Raumfahrttechnologie sowie elektrische Antriebssysteme zu entwickeln und in industrieller Serienfertigung herzustellen. Foto: Brose
Arbeitskosten „müssen runter“
Solange die Unternehmen nach den Vorstrellungen der Industrie- und Handelskammern Gewinne produzieren, gibt es keine Klagen. Drohen aber Einbußen oder Veränderungen, wird sofort der Ruf nach dem Staat laut: Waasners Forderung „Arbeitskosten, Steuer- und Abgabenlast sowie Bürokratie müssen runter, Planungssicherheit und Infrastrukturausgaben rauf!“ sollen den Unternehmen weiter Gewinne sichern und die Übernahme von Kosten auf Arbeitnehmer und Staat verlagern.
Trotz eines schärferen Wettbewerbs in einigen Industriebrachen und damit verbunden eines Rückgangs von Gewinnen und Abbaus von Arbeitsplätzen sprechen in Franken die Beschäftigtenzahlen von einer positiven Entwicklung: Der bereits vor Jahren begonnene Wandel in eine Dienstleistungsgesellschaft trägt auch am fränkischen Arbeitsmarkt seine ersten Früchte. Und auch die Industrie wird in Franken eine Zukunft haben, wenn sie sich mit Innovationen und Kreativität der Nachfrage auf sich verändernden Märkten stellt. Dass Franken dafür ein Potential hat, steht außer Frage. Doch der Ruf nach mehr Staat und weniger Arbeitskosten wird den Herausforderungen nicht gerecht, denen sich die Unternehmen in den kommenden Jahren stellen müssen. Wer dies fordert und auf Produkte beharrt, für die es keine Märkte oder Abnehmer mehr gibt, riskiert einen weiteren Abbau von Arbeitsplätzen.
Quellen
- 1)Datenbasis: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, 2025, Beschäftigung – aktuelle Eckwerte. Auswertung der Arbeitsmarktregionen Bayreuth, Coburg, Hof, Nürnberg, Schweinfurt, Wunsiedel und Würzburg, siehe auch:
- 2)Quelle: https://iab-forum.de/graphs/der-anstieg-der-zahl-der-erwerbstaetigen-in-den-letzten-zehn-jahren-ist-weitestgehend-dem-wachstum-der-sozialversicherungspflichtigen-beschaeftigung-geschuldet/
- 3)Nordbayerischer Kurier vom 14.3.2026: „15.252 Industriejobs weg“

